Der Stachel im Fleisch
Über extreme
Eifersucht und seine tödlichen Folgen
Über
die Eifersucht grassieren sehr viele und unterschiedliche
Allgemeinplätze. In dem einen Fall gilt sie als Gradmesser der
Liebe, im anderen als krankhaft. Immer wieder erschüttern die
Massenmedien mit Meldungen über Eifersuchtsdramen, in denen
prügelnde Männer und Familienväter die Hauptrolle spielen.
Amerikanische Forscher versuchten diesem Phänomen auf die Spur zu
kommen.
Der
tragischste und jüngste Fall von krankhafter Eifersucht ist der Mord
an der dreijährigen Carolin durch den mutmaßlichen Mörder und
Lebensgefährten der Mutter. Das Kind war nicht von ihm. Ein häufiger
Grund gemäß einer amerikanischen Studie, Gewalt gegen Mutter oder
Kind anzuwenden. Wie viel Eifersucht verträgt die Beziehung? Nicht
nur Männer töten übrigens ihre Rivalen oder untreuen Gattinnen im
Extremfall. Auch Frauen brannte schon die Sicherung durch, die zum
Totschlag des Ehemannes oder der Geliebten führte. Rosalind wollte
eigentlich nur an ihrer Nebenbuhlerin vorbeigehen. Doch sie
interpretierte deren Gesichtsausdruck als Hochmut und packte sie am
Kragen. Die Gepeinigte bekam keine Luft und stöhnte. Mit diesem
Stöhnen assoziierte Rosalind sexuelle Lust und drückte zu.
Die
sexuelle Eifersucht bei Männern
Warum
werden manche Menschen zu Sklaven ihrer destruktiven Eifersucht?
Gewalt und Eifersucht gehen gemäß einer amerikanischen Studie Hand
in Hand. Insbesondere Männer können den Gedanken an eine sexuelle
Untreue der Partnerin nicht ertragen. Je eher der Partner seine Frau
kontrolliert, desto eher wird sie ein Opfer seiner häuslichen Gewalt
werden. Was zu Beginn durchaus als schmeichelhaft empfunden wird,
entwickelt sich mit der Zeit als Hort der Niedertracht. Frauen
sollten auf folgende Warnsignale achten:
1. Er
möchte nicht, dass Sie mit anderen Männern reden.
2. Er
versucht Sie von Freunden und der Familie ab zukapseln.
3. Er
will immer wissen, wo sie sind und wann Sie wiederkommen.
4. Er
macht Sie verbal klein, damit Sie sich schlecht fühlen.
5. Er
informiert Sie nicht über den Stand seines Einkommens.
Doch
diese Kontrollmechanismen gelten auch für Frauen. Selbst wenn in der
Öffentlichkeit wenig über die Gewaltbereitschaft von Frauen bekannt
ist, so halten sich die Zornesausbrüche beider Geschlechter durchaus
die Waage. Da Männer nach wie vor als das ‘starke Geschlecht’
angesehen werden wollen, schämen sie sich häufig, die Übergriffe
durch ihre Freundinnen zuzugeben. Nur selten finden sich Meldungen
über Gattinnen, wie jüngst publiziert, in der eine Frau ihren Mann
mit dem Bügeleisen malträtierte und totschlug. Frauen wenden andere
Mittel als bloße Fäuste an. Sie stoßen, schlagen, treten, beißen
und setzen Gegenstände ein. Es muss jedoch eingeschränkt werden,
dass Frauen in aller Regel aus Notwehr und zur Selbstverteidigung
brutal werden. Sie handeln meist reaktiv und vergelten
vorangegangenes Unrecht.
Auf
die Sozialisation kommt es an
Ist
der Mann folglich ein Monster? Nicht jeder Mann neigt zur Gewalt.
Sexuelle Eifersucht alleine reicht als Begründung nicht dafür aus.
Das Handeln hängt auch von der Sozialisation im Elternhaus ab. Und
vom Grad der Beziehung. Eine These besagt, dass Schläge das letzte
Mittel sind, um eine Frau zum Bleiben zu bewegen. Das klingt paradox,
funktioniert aber leider tatsächlich in vielen Fällen. Entweder
bleiben die Frauen aus Todesangst oder weil sie durch die Kinder
finanziell von ihm abhängig sind. Auch Mitleid und sogar Liebe
spielen eine Rolle.
Fremdgehen
kann tödlich sein
Einer
anderen Studie zufolge besteht ein direkter Zusammenhang zwischen
tatsächlichem Ehebruch der Frau und der Gewalt des Mannes. Ist
Fremdgehen folglich ein Indikator für Prügel durch den Mann? Die
Statistik bejaht diese These. Fataler weise geht die Rechnung dieser
Art von „Abschreckung“ vielfach auf. Die Frau bekommt Angst vor
weiteren Misshandlungen. Nicht wenige Frauen kehren sogar von ihrem
Aufenthalt in sicheren Frauenhäusern wieder „reumütig“ zu ihrem
Ehemann zurück. Andere, die zugeben, untreu gewesen zu sein, laufen
Gefahr, eines Tages vom Freund oder Mann getötet zu werden. Das
Hauptmotiv sind Untreue und sexuelle Ablehnung. Die Mörder
argumentieren so: „Wenn ich dich nicht haben kann, dann keiner.“
Sind es Fehlzündungen oder geplante Morde?
Eifersucht
als Mordmotiv
Es
gibt hierzu mehrere Hypothesen. Einmal könnte die Ehre eines Mannes
in dessen Glauben wiederhergestellt werden. Zweitens kann so ein Mord
eine abschreckende Wirkung auf andere Frauen haben. Drittens könnte
der Kostenfaktor „Frau und fremdes Kind“ ein Auslöser sein und
somit ausgeschlossen werden. Denn es ist ja immerhin möglich, dass
der Ehemann für das Kind eines anderen zahlt. Viertens nimmt der
Mann der Frau die Möglichkeit, ihn mit den gemeinsamen Kindern zu
verlassen. Der Nebenbuhler geht somit ‘leer’ aus und nicht als
Sieger im Wettstreit hervor. Sehr junge Ehefrauen, Frauen mit
wesentlich älteren Männern und Frauen mit Kindern aus erster Ehe
oder vorausgegangenen Beziehungen sind besonders gefährdet, wenn es
um Eifersucht und potentielle Gewalt geht. Die Konkurrenz ist groß
oder aber die Aufmerksamkeit - wie im Falle der Frau mit fremden
Kindern - ist nicht ausschließlich auf den Mann beschränkt.
Absichtliche
Eifersucht
Es
gibt aber noch ein anderes Phänomen im Rahmen der Eifersucht. Manche
Partner provozieren den anderen absichtlich. Die Motive sind
vielschichtig. Der vermeintlich Unterlegene und Engagierte versucht
so die Stärke der Partnerschaft zu testen. Das Ungleichgewicht soll
wiederhergestellt werden. Frauen suggerieren damit: „Sieh her, ich
bin begehrenswert.“ und „Nimm mich nicht als selbstverständlich.“
Es ist ein gefährliches Spiel mit den Emotionen, dennoch wird es
praktiziert. Aber warum? Es kann Rache sein, aber auch die Erhöhung
des eigenen Selbstwertes oder die Förderung des Engagements des
anderen. Meist handelt es es sich um einen Hilferuf des in der
Beziehung Aktiveren. Frauen schaffen es mit dieser Taktik
tatsächlich, die Aufmerksamkeit des Partners zu erhöhen. Mit
Bedacht eingesetzt mag diese Strategie funktionieren. Ein Quäntchen
zu viel löst jedoch entweder Gewalt aus oder das Ende der Beziehung.
Auf die Dosis kommt es wie in vielen Dingen des Lebens auch hier an.
©
Corinna S. Heyn